Aus dem Pschyrembel Verlag

Herausgegeben von Wolfgang Lehmann und Markus Tingart

Akzessorische Fußwurzelknochen

Geschrieben von: Priv.-Doz. Dr. Jürgen Götz
Aktualisiert: 01.03.2020
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Therapien

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  • Allgemeines

    Das Skelett beider Füße umfasst ein Viertel aller menschlichen Knochen. Es gibt am Fuß neben den 26 Knochen und 2 Sesambeinen noch sogenannte akzessorische Knochen.

    • akzessorische Knochen = Normvarianten

    • per se kein pathologischer Stellenwert

    • in seltenen Fällen Ausgangspunkt von Beschwerden

    • mehr als 40 verschiedene akzessorische Knochen am Fußskelett beschrieben

  • Pathologie / Unfallmechanismus

    Akzessorische Knochen am Fußskelett sind vielfältig und unterscheiden sich je nach Lage hinsichtlich ihrer Ätiologie. Abzugrenzen davon sind Sesamoide, d. h. Knochen, die in einer Sehne an der Stelle eingelagert sind, an der sie um einen Knochenvorsprung biegt (Hypomochlion). Akzessorische Knochen entstehen i. d. R. als sekundäre Ossifikationszentren.

    • meistens asymptomatisch

    • radiologischer Zufallsbefund

    • Können durch Trauma, Druckeinwirkung, degenerative Veränderungen, avaskuläre Nekrosen, osteochondrale Läsionen oder Impingement schmerzhaft werden.

  • Epidemiologie

    Akzessorische Knochen am Fuß sind weit verbreitet (15 % der Bevölkerung). Sie stellen den häufigsten radiologischen Zufallsbefund dar. Von klinischer Relevanz sind:

    • Os tibiale externum

    • Os trigonum

    • Os subfibulare

    • Os intermetatarseum

    • Os peroneale/Os fibulare

  • Anatomie

    Abb. 1: Anatomische Übersicht der wichtigsten akzessorischen Knochen am Fuß.
    Abb. 1Anatomische Übersicht der wichtigsten akzessorischen Knochen am Fuß.© De Gruyter

    Os trigonum (Abb. 1)

    • sekundäres Ossifikationszentrum

    • im dorsalen Talokalkanearwinkel

    • weist eine seitliche knöcherne Führungsrinne auf (Sehnenverlauf M. flexor hallucis longus)

    • fusioniert üblicherweise mit Talus

    • Entsteht bei der Fusion ein großer talarer Processus, wird dieser als fusioniertes Os trigonum, Stieda-Processus oder trigonaler Processus bezeichnet.

    • Das Os trigonum ist allseitig von Kortikalis umgeben und artikuliert mit dem Talus über eine Synchondrose.

    Os tibiale externum (Abb. 1)

    • Synonym: Os naviculare secundarium/secundum, Os naviculare accessorium, Prähallux

    • 3 Typen:

      • Typ I: Knochenkern in der Sehne des M. tibialis posterior, ca. 5 mm vor dem Ansatz am Os naviculare

      • Typ II: Os tibiale externum und Os naviculare sind über eine fibrokartilaginäre Synchondrose miteinander verbunden.

      • Typ III: Os tibiale externum und Os naviculare sind miteinander fusioniert und bilden ein Os naviculare cornutum.

    Os subfibulare

    • in einigen Literaturstellen als akzessorischer Knochen bezeichnet

    • nach Hefti (2015): primär traumatischer knorpeliger Ausriss des Lig. fibulotalare anterius und spätere Verknöcherung des ehemaligen Bandansatzes

    Os intermetatarseum (Abb. 1)

    • zwischen Basis Os metatarsale I und II

    • entweder als eigenständiges Ossikel oder als spornartige Ausziehung

    • evtl. kausaler Zusammenhang mit Vergrößerung des Intermetatarsalwinkels I/II und damit Hallux-valgus-Progredienz

    Os peroneum/fibulare (Abb. 2)

    • eigentlich ein Os sesamoideum, das in den Sehnenverlauf der Peroneus-/Fibularis-longus-Sehne eingelagert ist

    • Lokalisation am lateralen plantaren Aspekt des Os cuboideum

    • in der Regel als Hypomochlion für den Sehnenverlauf um den Kalkaneus zu interpretieren

    Abb. 2: Schematische Darstellung des Os peroneum.
    Abb. 2Schematische Darstellung des Os peroneum.© De Gruyter

  • Symptome

    Os trigonum

    • Os-trigonum-tarsi-Syndrom, posteriores Impingement-Syndrom, talares Kompressionssyndrom

    • Schmerzangabe in der hinteren Retrokalkaneargrube

    • Schmerzen bei starker Plantarflexion im Sprunggelenk/Fuß (z. B. Ballett)

    • „Nuss im Nussknacker“: Impingement-Syndrom des Os trigonum zwischen OSG und USG (oberes bzw. unteres Sprunggelenk) = Posterior Ankle Impingement Syndrome (PAIS)

    • Beschwerden mit kontinuierlicher Progredienz

    • Reizung der Flexor-hallucis-longus-Sehne (FHL-Tendinitis)

    • bei Dissektion der Synchondrose zwischen Os trigonum und Proc. posterior tali: Akutschmerz (Stich)

    Os tibiale externum

    • belastungsabhängige Schmerzsituation am medialen Fußrand

    • Schuhkonflikt durch Druck auf die knöcherne Prominenz

    • Die Begünstigung des Auftretens eines Knick-Senkfußes wird in der Literatur kontrovers diskutiert.

    Os subfibulare

    • lokale Schmerzen

    • oft verbunden mit vermehrter Sprunggelenksinstabilität

    Os intermetatarseum

    • Irritation durch Knochen, lokaler Druckschmerz

    • ggf. Irritation des N. peroneus profundus

    • bei Hallux-valgus-Korrektur berücksichtigen

    Os peroneum/fibulare

    • Schmerzen auf der Fußaußenseite (Painful Os peroneum Syndrome = POPS)

    • akut: nach Distorsionsereignis oder direktem Kontusionstrauma

    • chronisch: langdauernder Reizzustand aufgrund Überbelastung oder nach okkulter Fraktur

  • Diagnostisches Vorgehen

    Anamnese

    • Schmerzlokalisation und -charakter: abhängig von Lage des akzessorischen Knochens

    • Traumaanamnese

    • Belastungs-/Ruheschmerz

    • Schuhkonflikt

    • Fußdeformität

    Klinische Untersuchung

    • Beurteilung Fuß- und Sprunggelenksachsen in Ent- und Belastung

    • Analyse Gangbild, Betrachtung der Ablaufspuren am Schuh (= Ganganalyse des kleinen Mannes)

    • Inspektion: Schwellung, Rötung, Überwärmung, Hautschwielenbildung, ggf. Hämatomausprägung

    • lokaler Druckschmerz auf Höhe des betroffenen akzessorischen Knochens

    • Überprüfung der Nachbargelenke

    • Feststellen der Bewegungsumfänge der einzelnen Gelenke

    • immer auch Gegenseite untersuchen (oft symmetrisches Auftreten)

    • Os trigonum:

      • Schmerzlokalisation: hintere Retrokalkaneargrube

      • Schmerzverstärkung durch Plantarflexion im Sprunggelenk

      • Zangengriffschmerz (am Talushinterrand)

      • bildwandlergesteuerte probatorische Infiltration

    • Os tibiale externum:

      • schmerzhafte knöcherne Prominenz

      • ggf. Hyperkeratose

      • Fußdeformität (Knick-Senkfuß)

      • Druckschmerz am distalen Verlauf der Sehne des M. tibialis posterior

    • Os subfibulare:

      • Druckschmerz am proximalen Anteil des Lig. fibulotalare anterius

      • vermehrte Instabilität des Sprunggelenks

    • Os intermetatarseum:

      • lokaler Druckschmerz

    • Os peroneum/fibulare:

      • schmerzhafter Stand auf Fußaußenkante

      • Provokationstest: Supination des Fußes gegen Widerstand

      • lokaler Druckschmerz über Peroneus-/Fibularis-longus-Sehne

    Radiologische Diagnostik

    • Röntgen (Abb. 3, Abb. 4, Abb. 5, Abb. 6):

      • klassische Darstellung der akzessorischen Knochen

      • Abgrenzung zur Fraktur manchmal schwierig

      • nicht immer Rückschlüsse auf die Ätiologie möglich

    Abb. 3: 11-jähriger Patient mit symptomatischem Knick-Senkfuß. Röntgen Fuß d.-p: Os tibiale externum links.
    Abb. 311-jähriger Patient mit symptomatischem Knick-Senkfuß. Röntgen Fuß d.-p: Os tibiale externum links.© Priv.-Doz. Dr. Jürgen Götz

    Abb. 4: 11-jähriger Patient mit symptomatischem Knick-Senkfuß. Röntgen Fuß d.-p: Os tibiale externum rechts.
    Abb. 411-jähriger Patient mit symptomatischem Knick-Senkfuß. Röntgen Fuß d.-p: Os tibiale externum rechts.© Priv.-Doz. Dr. Jürgen Götz

    Abb. 5: 11-jähriger Patient mit symptomatischem Knick-Senkfuß. Röntgen Fuß seitlich: Os tibiale externum links.
    Abb. 511-jähriger Patient mit symptomatischem Knick-Senkfuß. Röntgen Fuß seitlich: Os tibiale externum links.© Priv.-Doz. Dr. Jürgen Götz

    Abb. 6: 11-jähriger Patient mit symptomatischem Knick-Senkfuß. Röntgen Fuß seitlich: Os tibiale externum rechts.
    Abb. 611-jähriger Patient mit symptomatischem Knick-Senkfuß. Röntgen Fuß seitlich: Os tibiale externum rechts.© Priv.-Doz. Dr. Jürgen Götz
    Abb. 7: Os peroneum im CT.
    Abb. 7Os peroneum im CT.© Priv.-Doz. Dr. Jürgen Götz

    • Kernspintomografie (MRT): z. B. bei Fragestellung einer begleitenden Tendinitis, Fraktur (Os peroneale), Sehnenruptur (Os peroneum, Peroneus-/Fibularis-brevis-Sehne)

    • Computertomografie (CT):

      • bei im Röntgen nicht zweifelsfrei darstellbaren akkzessorischen Knochen und ggf. zur Op-Vorbereitung

      • höhere Strahlenbelastung

    • Szintigrafie:

      • Bei symptomatischen akzessorischen Fußwurzelknochen ist mit einer Anreicherung zu rechnen.

      • Unspezifische Untersuchungsmethode, die in der Regel selten Anwendung bei diesem Krankheitsbild findet.

    • SPECT-CT: Vorteil der Kombination aus Anreicherung + computertomografischer Darstellung

    Differenzialdiagnose

    • Frakturen

    • Avulsionsfrakturen (knöcherne Ausrisse)

    • posttraumatische Verkalkungen

    • Os trigonum:

      • Bursitis retrocalcanearis

      • Achillessehnenbeschwerden

      • Tarsaltunnelsyndrom

      • OSG- und USG-Erkrankungen

    • Os tibiale externum:

      • Coalitio

      • Osteoidosteom, Tumoren

      • Insertionstendinopathie +/- Tendinitis M. tibialis posterior

      • Ermüdungsfraktur

      • Osteochondrosis dissecans tali mit Schmerzausstrahlung

    Begleiterscheinungen

    • Fußfehlstatik (Knick-Senkfuß bei Os tibiale externum)

    • Bewegungseinschränkungen oder Fehlbelastungsschmerzen durch antalgische Schonhaltung

  • Artikelinfo/Keywords

    Os tibiale externum, Os trigonum, Os intermetatarseum, Os peroneale, Os subfibulare


    ICD-10

    Q74.2

  • Literatur
    • Bianchi, S., Bortolotto, C., Draghi, F. (2017). Os peroneum imaging: normal appearance and pathological findings. Insights Imaging, 8(1): 59–68. DOI: 10.1007/s13244-016-0540-3
    • Bruns, J., Eggers-Ströder, G. (1991). Os trigonum syndrome. Sportverletz Sportschaden, 5(3): 155–158. DOI: 10.1055/s-2007-993580
    • Frigg, A., Maquieira, G., Horisberger, M. (2017). Painful stress reaction in the posterior subtalar joint after resection of os trigonum or posterior talar process. Int Orthop, 41(8): 1.585–1.592. DOI: 10.1007/s00264-017-3489-z
    • Hefti, F. (2015). Kinderorthopädie in der Praxis 3. Auflage, Heidelberg – Berlin: Springer.
    • Heyer, J.H., Rose, D.J. (2017). Os Trigonum Excision in Dancers via an Open Posteromedial Approach. Foot Ankle Int, 38(1): 27–35. DOI: 10.1177/1071100716665576
    • Keles-Celik, N., Kose, O., Sekerci, R., Aytac, G., Turan, A., Güler, F. (2017). Accessory Ossicles of the Foot and Ankle: Disorders and a Review of the Literature. Cureus, 9(11): e1881. DOI: 10.7759/cureus.1881
    • Nault, M.L., Kocher, M.S., Micheli, L.J. (2014). Os trigonum syndrome. J Am Acad Orthop Surg, 22(9): 545–553. DOI: 10.5435/jaaos-22-09-545
    • Pillai, J., Jerosch, J. (2014). Midterm results after endoscopic biportale resection of an symptomatic os trigonum. OUP, 3: 130–135. DOI: 10.3238/oup.2014.0130–0135
    • Rietveld, A.B., Diemer, W.M. (2016). Surgical Treatment of the Accessory Navicular (Os Tibiale Externum) in Dancers: A Retrospective Case Series. J Dance Med Sci, 20(3): 103–108. DOI: 10.12678/1089-313x.20.3.103
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